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Kinomobil Baden-Württemberg e. V. Kulturaustausch mal anders - Estnischer Kinobuss zu Gast in Baden-Württemberg Hätten Sie gedacht, dass es in Estland ein Wanderkino gibt? Nun wissen es zumindest 8 Schulklassen in Baden-Württemberg ganz genau. Denn sie besuchte der Kinobuss aus dem über 2000km entfernten Estland. Der Kinobuss ist eine moderne Version des Wanderkinos, dessen Ziel darin besteht, durch Filmvorführungen und Workshops das Interesse der Menschen für die Kinokultur zu wecken und zu fördern. Er besucht vor allem ländliche Gebiete und Kleinstädte, wo es kein ortsfestes Kino mehr gibt oder nie gegeben hat, wird aber auch in die größeren Städte sowie direkt von Schulen eingeladen. Der im Jahr 2001 gegründete Kinobuss hat bisher sechs Sommertouren durchgeführt. Von Jahr zu Jahr steigt die Zahl der Besucher und Filmemacher aber auch der vorgeführten Filme. In den letzten Jahren kamen zur Sommertour mehr als 10.000 Besucher und in den Workshops sind hunderte von Kurz-filmen produziert worden. Zusammen mit dem Kulturinstitut Estlands wurde im September 2003 in Schweden und in den Jahren 2005 und 2006 in Finnland die estnische Wander-kinokultur vermittelt. 2008 war nun Deutschland an der Reihe. Anlässlich ihres 90-jährigen Staatsjubiläums präsentierten sich die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen mit der Veranstaltungsreihe "Essentia Baltica 2008" gemeinsam mit der Bundesrepublik Deutschland. Als Partner für Estland wurde Baden-Württemberg ausgewählt. Unter dem Motto "e wie Estland" finden vom 14. Januar bis zum 21. Juni 2008 zahlreiche gemeinsame Aktivitäten im ganzen Land statt. Im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe realisierte das Kinomobil Baden-Württemberg e. V. gemeinsam mit dem estnischen Kinobuss vom 5. bis 9. Mai eine einmalige Tour. Bereits vor einem Jahr trat Frau Reet Weidebaum vom Kulturattaché der estnischen Botschaft mit dem Kinomobil in Kontakt. Kurz entschlossen entschied man daraus ein gemeinsames Projekt zu machen. Und dann war es soweit. Der restaurierte Oldtimer mit seinem kompletten Kino - Equipment kam am 3. Mai im Hafen von Rostock an, von wo aus er weiter mit einem LKW zum ersten Einsatzort Dietlingen transportiert wurde. Von dort aus fuhren die 6 Regisseure und Filmstudenten der Filmhochschule Tallin weiter nach Lauffen a. N., Bopfingen, Horgenzell und Ludwigsburg, um mit jeweils ein bis drei Klassen der Stufen 3 bis 7 Filmworkshops durchzuführen und den Schülern zu zeigen, wie Film funktioniert, was Filmsprache ist und vor allem aber wie man Filme selbst herstellt. Dass die ausländischen Gäste kein Deutsch konnten, störte dabei niemanden. Mit „Händen und Füßen“, etwas Englisch und Deutsch funktionierte die Verständigung ganz gut. Mit auf Tour gingen Frau Julia Böttger vom Kinomobil sowie Frau Weidebaum von der estnischen Botschaft, die beim Übersetzen der Workshops Unterstützung leisteten. So entstanden pro Tag ca. 6 bis 7 Produktionen. Von Knetanimationen über kurze Legetrick- und Zeichentrickfilme bis hin zu kleinen Spielfilmen war alles vertreten. In 5 bis 6 Kleingruppen wurden die Themen gewählt und auf Papier festgehalten. Anschließend erklärten Mikk Rand, Leiter des Kinobuss - Projektes, und sein Team den Schülern die Funktionsweise der Kamera und die verschiedenen Möglichkeiten Trickfilme herzustellen. Dann ging es an die Arbeit. Während die einen fleißig malten, Kulissen bastelten oder an ihren Knetfiguren arbeiteten, mussten andere ihren Text üben und die ersten Szenen proben. Jede Spielfilmgruppe wurde eingeteilt in Schauspieler, Regisseure und Kamera-leute. Nach einer kurzen Einführung in die filmischen Gestaltungsmittel konnten die Workshopteilnehmer selbst aktiv werden. Schnell war klar: So einfach ist das nicht. Einen guten Film zu machen benötigt viel Zeit und macht viel Arbeit. Besonders den Trickfilmern wurde dies schnell klar. Millimeter für Millimeter animierten sie mit Kamera und Computer die einzelnen Bilder und erweckten ihre Zeichnungen und Knetfiguren zum Leben. Nach den Dreharbeiten wurden die Filme geschnitten und für die Präsentation vorbereitet. Dass aus vielen Stunden Arbeit oft nur 2 bis 3 Minuten Spielfilm und nur wenige Sekunden Trickfilm entstanden, erstaunte alle sehr. „Nun kann ich mir vorstellen, wie lange die Leute für einen richtigen Kinofilm brauchen“ meinte ein Schüler der 6a in Bopfingen am Ende des Tages. Nach ca. 5-6 Stunden Arbeit waren alle Filme soweit, vor Mitschülern, Lehrern und Eltern präsentiert zu werden. Zuvor gab es aber noch estnische Kurzfilme zur Einstimmung. In Bopfingen, Horgenzell und Ludwigsburg hatten die Schüler noch die Chance den est-nischen Kinderfilm „Ruudi“ zu sehen, auf Estnisch mit deutschen Untertiteln. Für die jüngeren Schüler wurde der Film von Frau Weidebaum auf Deutsch eingesprochen. Nach anstrengenden aber aufregenden Tagen war es dann endlich soweit. Voller Stolz sahen sich alle gemeinsam mit ihren Gästen die eigenen Arbeiten auf einer großen Kinoleinwand an und wurden dafür mit reichlich Applaus belohnt. Lehrer wie Eltern waren überrascht und beeindruckt, wie viel ihre Schützlinge in so kurzer Zeit geleistet haben. Für die Schulen gab es vom Kinobuss alle Filme auf DVD sowie weitere Informations- und Arbeitsmaterialien rund um das Thema Trickfilmproduktion und die Nutzung des Mediums für den Unterricht. Doch nicht nur für die Schüler und Lehrer gab es in dieser Woche etwas ganz Besonderes. Mit einem reichlichen Mittagessen und kleinen Geschenken wie einer Flasche Wein aus der Region, einer CD der Schulband oder selbstgebackenem Kuchen überraschten die Schulen die estnischen Besucher, die sich sehr über den herzlichen Empfang freuten. Das Fazit der Woche:
Tourdaten
Bilder
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